Transdisziplinäre Integration

Welche Instrumente eignen sich für das Management von Biodiversität? Wie kann Biodiversität kommuniziert werden?

Ziel ist es, das Wissen aus den drei Forschungsmodulen im Hinblick auf das Ziel des Vorhabens, einen Beitrag zur Steigerung von Biodiversität entlang von Produktlebenszyklen zu leisten, zusammenzuführen und gemeinsam mit den Reallaborunternehmen und weiteren Unternehmen weiterzuentwickeln.

Ein transdisziplinäres Forschungsvorhaben benötigt einen theoretischen Rahmen, der die Synthese der verschiedenen Perspektiven ermöglicht und gleichzeitig der iterativen Vorgehensweise des transdisziplinären Forschungsprozesses Rechnung trägt. Das Forschungsvorhaben BioVal befasst sich mit Lebensmittelproduktion und -konsum und Biodiversität, die als „besonders gefährdete und gefährdende gesellschaftliche Naturverhältnisse“ gelten. Insbesondere werden die Regulationsmuster des globalen Krisenphänomens „Biodiversitätsverluste“ in den Blick genommen.

Das Beziehungsgeflecht zwischen Gesellschaft und Natur umfasst unterschiedliche Handlungsebenen – auch in Bezug auf Biodiversität und Ernährung. Um die verschiedenen Handlungsebenen und damit Perspektiven, die in BioVal eingenommen werden, integrieren zu können, wird die Multi-Level-Perspektive (MLP) als theoretischer Syntheserahmen genutzt. Die MLP differenziert drei Ebenen: Nische, Regime und Landschaft.

In BioVal wird untersucht, wie durch Veränderungen von Unternehmen in der Nische Transformationen in Ernährungssystemen angeregt werden können, um entlang von Wertschöpfungsketten die Wertschätzung von Biodiversität zu steigern und Biodiversitätsverluste zu reduzieren. Der Fokus von BioVal liegt hierbei auf der Rolle von Unternehmen und Konsument:innen für Transformationen in Ernährungssystemen. Mögliche Treiber für Transformationen auf Ebene der Konsument:innen liegen insbesondere im Kaufverhalten und dem Einfordern von Produkten, die Biodiversität schützen. Auf der Ebene von Unternehmen sind die Treiber, solche Produkte – in unserem Fall Lebensmittel – bereitzustellen und darüber zu kommunizieren, um „Informed Choices“ der Kund:innen zu ermöglichen. Genau hier setzt BioVal an und entwickelt praxistaugliche Mess- und Managementinstrumente auf Unternehmens- und Produktebene und erforscht, wie eine B2C-Kommunikation erfolgreich gestaltet werden kann. Hierzu werden verschiedene Instrumente entwickelt, angewandt und hinsichtlich ihrer potenziellen Wirkung in Ernährungssystemen erprobt.

Bewertung von Biodiversität

Ein weiteres Ziel von BioVal ist es, die Normativität, die mit dem Schutz von Biodiversität verbunden ist, zu analysieren und mit Expert:innen zu reflektieren. Basierend auf den Erkenntnissen zu normativen Werthaltungen zu Biodiversität aus dem Modul 1 und den methodischen Erkenntnissen zur Biodiversitätswirkungsabschätzung aus Modul 2 wird ein Expert:innenworkshop mit zehn bis zwölf Vertreter:innen unterschiedlicher Perspektiven (zum Beispiel Vertreter:innen von Umweltverbänden, dem Bauernverband oder aus der Wissenschaft) durchgeführt. Gestützt durch Visualisierungen diskutieren die Expert:innen aus unterschiedlichen Perspektiven, wie verschiedene Landnutzungsformen im Hinblick auf die Förderung, den Erhalt oder die Beeinträchtigung von Biodiversität bewertet werden können. Die Ergebnisse des Expert:innenworkshops werden in der Methodenentwicklung in Modul 2 genutzt. Ergebnis von Modul 4.1 sind Erkenntnisse zur Normativität von Biodiversität aus Expert:innenperspektive, die in eine interdisziplinäre wissenschaftliche Veröffentlichung und Diskussionen mit dem AK Biodiversität Modul 4.4) einfließen.

Kommunikation von Biodiversität

Wie kann ein Unternehmen nach außen kommunizieren, dass es biodiversitätsschützend wirtschaftet und damit auch die Kund:innen erreichen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Modul „Kommunikation von Biodiversität“. Ziel ist es, die Kund:innenpräferenzen zu biodiversitätsschützenden Lebensmitteln und ihre Zahlungsbereitschaft zu analysieren, um daraus Kommunikationsempfehlungen abzuleiten. Methodisch setzt das Modul auf eine online-durchgeführte Conjoint-Analyse mit einer für die deutsche Bevölkerung repräsentativen Stichprobe (Alter: 18-69 Jahre). Bei der Conjoint-Analyse bewerten Konsument:innen verschiedene Produktalternativen mit Kombinationen unterschiedlicher Merkmale und Eigenschaften (wie z. B. Preise, Marken, Biodiversitäts- oder Nachhaltigkeitslabels) oder Produkte, die mit verschiedenen Informationen zu Biodiversität versehen sind. So werden Entscheidungen in Kaufsituationen realitätsnäher simuliert, als dies mit klassischen Befragungen möglich ist. Ergebnis sind zum einen Kund:innentypen, die sich anhand ihrer Präferenzen für Biodiversität und ihrer Zahlungsbereitschaft unterscheiden. Zum anderen wird herausgearbeitet, welche konkreten Beiträge zum Schutz der Biodiversität Lebensmittelunternehmen gut in der Kommunikation mit Kund:innen nutzen können. Die Ergebnisse fließen in Empfehlungen für eine zielgruppengerechte Kommunikation zum Biodiversitätsschutz ein.

Praktikabilität der Biodiversitätserfassung

Ziel des Moduls zur Praktikabilität der Biodiversitätserfassung ist es, die in Modul 2 entwickelten Wirkungsabschätzungsmethoden zu Biodiversität hinsichtlich ihrer Praktikabilität für Unternehmen und die Umsetzung in Ökobilanzsoftware und -datenbanken zu prüfen.

Hierzu wird in mehreren Workshops mit den Reallaborunternehmen diskutiert, inwieweit die Methode in das Nachhaltigkeitsmanagement integriert werden kann, welche Daten im Unternehmen (mit welchem Aufwand) erhoben werden können und welche technischen und organisatorischen Hürden bei der Anwendung der Wirkungsabschätzung zu meistern sind. Die Erkenntnisse aus den Workshops fließen in die weitere Methodenentwicklung und die Erprobung in den Reallaboren ein. Des Weiteren werden Software- und Datenbankanbieter:innen eingebunden, um zu diskutieren, wie die Wirkungsabschätzungsmethoden in bestehende Systeme integriert werden können.

Arbeitskreis Biodiversität

Ziel ist es, kontinuierlich die (Zwischen-)Ergebnisse und Erfahrungen des Projekts weiteren Unternehmen der Lebensmittelbranche (und darüber hinaus) vorzustellen, mit ihnen zu diskutieren, den teilnehmenden Unternehmen zu ermöglichen, (Zwischen-)Ergebnisse selbst zu testen und in weiteren Arbeitskreistreffen von ihren Erfahrungen zu berichten.

Im Laufe von BioVal finden fünf Arbeitskreistreffen statt – zu denen Interessierte herzlich eingeladen sind.

  1. Arbeitskreistreffen (digital): 17. März 2022
  2. Arbeitskreistreffen: 10. November 2022
  3. Arbeitskreistreffen: Mai/Juni 2023
  4. Arbeitskreistreffen: Oktober/November 2023
  5. Arbeitskreistreffen: Mai/Juni 2024

Kontakt: Alicia Seifer, ZNU – Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (alicia.seifer@uni-wh.de)

Instrumente & Empfehlungen

In diesem Modul werden die Erkenntnisse aus dem Projekt synthetisiert und so aufbereitet, dass sie für die jeweilige Zielgruppe nutzbar sind.

So werden Empfehlungen für eine zielgruppengerechte Kommunikation zum Biodiversitätsschutz gegeben, aber auch konkrete Instrumente vorgestellt, wie Biodiversitätsschutz in das Management von Unternehmen integriert werden kann.

Die Ergebnisse werden zum Abschluss des Vorhabens in einer Konferenz im September / Oktober 2024 vorgestellt.

Die BioVal-Module und Integrationsmodule im theoretischen Syntheserahmen

Gesellschaftliche Werthaltungen

Gesellschaftliche Werthaltungen zu Biodiversität und Lebensmittelproduktion und dem Bewusstsein für den Zusammenhang von Lebensmittelproduktion und Biodiversität in Deutschland zu erfassen, ist Ziel dieses Forschungsmoduls.

Wirkungsabschätzung Biodiversität

Ziel ist es, die Wirkungsabschätzung von Biodiversität in der Ökobilanz praxisnah zu optimieren und um diffuse Effekte sowie aquatische Biodiversität zu ergänzen.

Biodiversität in Unternehmen

Gemeinsam mit den Unternehmen FRoSTA AG, Alfred Ritter GmbH & Co. KG und Seeberger GmbH wird in Reallaboren erarbeitet, wie Auswirkungen von Unternehmens- und Produktionsprozessen auf Biodiversität entlang der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln besser erfasst und in Entscheidungen berücksichtigt werden können.

Transdisziplinäre Integration

Das Wissen aus den drei Forschungsmodulen zusammenzuführen und gemeinsam mit den Reallaborunternehmen und weiteren Unternehmen u.a. im Arbeitskreis Biodiversität weiterzuentwickeln, ist das Ziel der transdisziplinären Integration.

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